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Meine Werkstatt Odyssee

Damaris
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Meine Werkstatt-Odyssee

 

Im Juni 2019 holte ich den Van aus Erftstadt ab. Was keiner von uns bedachte war, dass da eine Unmenge an Elektrozeugs verbaut war, da es ein ehemaliger Krankentransporter ist.

 

Ich fuhr damit zur Werkstatt meines Vertrauens und hätte mal besser gleich stutzig werden sollen, als der grummelige Meister (sonst war er immer ganz handzahm, aber er hatte heftige Rückenschmerzen) mir was von viel Geld und einem Bekannten sagte, der sich da auskennt. Kein Problem, meinte er, der Bekannte kommt einfach mal vorbei und schaut, was er machen kann.

 

Abgesehen davon, dass ich dachte ich könne meinen Kasten stehen lassen, musste ich ihn wieder mitnehmen. Das ging einige Mal und viele Wochen so weiter….

 

2 Wochen später:

Ich wollte mal nachfragen, aber entweder erreichte ich keinen oder er hatte gerade keine Zeit oder der Bekannte konnte noch nicht oder oder…

Der Herr konnte nicht einfach sagen: „Du Mädel, es tut mir leid, aber ich bekomme das im Moment nicht gebacken.“

Ein bisschen verärgert war ich ja schon, als nochmal etwa 2 Wochen vergingen mit Hin- und Hergefahre, Vertröstungen, nicht Erreichbarkeit, Krankenhausaufenthalten etc…

 

Irgendwie fand ich es ganz normal, dass ich immer mal wieder nachfrage – hättest du das nicht gemacht?

Aber ihn nervte das wohl irgendwann über die Maßen, sodass er mich am Telefon plötzlich anschrie und meinte ich solle meinen Wagen umgehend abholen.

Ich war so verdattert, dass ich nix wie hinwollte, nicht dass der noch irgendeinen Mist anstellt. Einmal quer durch die Stadt in der Mittagshitze – hatte ich ja schon einige Male durch, ABER es war kurz vor der Mittagspause und Wochenende. Das hätte ich zu Fuß niemals geschafft, selbst wenn ich gejoggt wäre.

Ich rief eine Freundin an, von der ich wusste, dass sie gerade auf dem Rückweg von Heidelberg sein müsste. War sie auch und unweit von Landau. Mit an Bord waren ihr Mann, das Baby und der Hund. Sie meinte sie ist in etwa 15 min. bei mir.

Freitag Mittag.

Gut 10 min. zur Werkstatt.

Es war schon nach halb 1.

Um 13:00 schließt er die Tür.

Um 12:50 war sie noch nicht da, ich schreib den Wagen schon ab, da raste sie 12:55 um die Ecke.

Ich: „Das schaffen wir eh nicht mehr, lass gut sein.“

Sie: „Nein, komm schon, steig ein.“

Na gut, versuchen können wir es ja.

 

Meine Freundin hat lange blonde Haare, das muss ich jetzt ganz absichtlich erwähnen und ist blitzgescheit – das nutzte sie voll aus. Mitten auf der Strecke war eine Straße gesperrt, die Umgehung hätte zu viel Zeit gekostet..

Sie: „Festhalten, ich fahre rechts.“

Ich: „What??? Rechts??? Das ist die Fußgängerzone!“

Sie: „Und ich bin blond.“ 😀

Ich schlug die Hände vors Gesicht, duckte mich und ließ geschehen – was sollte ich auch sonst tun?

Dieses Erlebnis ist eines, das ich nicht so schnell vergesse.

13:02 bogen wir zur Werkstatt ein.

*Schweißabwisch*

 

Nun hatte ich meinen Van also wieder zuhause und war noch kein Stück weitergekommen.

Ich grübelte, fragte andere, was ich tun könnte, ob jemandem etwas einfällt.

 

Über eine Gruppe meldete sich ein Mann, der sich wohl damit auskennt, der meinte aber bei der Besichtigung, dass er den Van ganz zerlegen müsse, um jegliche Elektronik kontrollieren zu können und dass er das erst in 4 Wochen tun kann.

 

Bis ich mich mit meinem Sohn unterhielt und der mir sagte, dass er ganz zufrieden mit einer Boschwerkstatt im Nachbarort sei. Gut, sagte ich mir, dann muss ich wohl etwas tiefer in die Tasche greifen, aber vielleicht geht es dann endlich weiter und die müssen sich ja auskennen.

 

Dass ich ein Versprechen bekam, der Van sei innerhalb einer Woche fertig und es wurden dann doch wieder 6 (so ganz genau weiß ich das schon nicht mehr), dass der Endpreis wesentlich höher war, als angedacht…lasse ich jetzt mal außen vor. Ich war einfach glücklich, dass ich mehr Sicherheit bekam.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass auch hier noch einiges übersehen oder vernachlässigt wurde, aber Vieles merkt man ja erst beim Tun.

 

Endlich konnte ich meinen Van wieder nach Hause holen.

Es war mittlerweile September.

Da meine Tochter am 30.09. 2019 umziehen wollte, warteten wir noch ab, denn ihr neuer Wohnort liegt quasi auf der Strecke zu meinem Bekannten, der für mich den Van ausbauen wollte. So konnte ich ihre Möbel transportieren und danach gleich weiterfahren. Meine blonde Freundin nahm mich auf dem Rückweg wieder mit. Sie legte mal einfach so einen Ausflugtag mit Baby und Hund ein.

 

Es folgte die Phase des Ausbaus, des Nachdenkens, Organisierens und Entscheiden.

 

Mitte November besuchte ich meine Tochter und fuhr weiter mit dem Zug, um meinen fertig ausgebauten Van abzuholen.

 

Aber es gab auch noch andere Baustellen, wie z.B. die Reifen inklusive Ersatzreifen, die erneuert werden sollten. Ein Schlüssel, den erstmal keiner so richtig verstand, wie er funktioniert und dass es mit Akkutausch dann getan war. Ein Licht hinten schaltete sich immer ein, wenn ich vorne in den Van stieg und fraß von der Batterie, sodass ich hinten nicht mehr aufschließen konnte…und noch ein paar kleinere Sachen.

 

Irgendwann hatte ich mal angedacht im Herbst noch losfahren zu wollen, aber ich verschob meinen Start erstmal auf den Frühling.

Uns so stand er dann über den Winter – fuhr lediglich einige Male mit mir zur Lagerbox.

 

Dass dann alles anders kam als ursprünglich geplant, konnte keiner ahnen…

Seit 2020 lebe, reise und arbeite ich mit meiner Hündin in einem umgebauten Rettungswagen. Manchmal ist es eine echte Herausforderung, oft sehr kuschelig und abwechselnd und immer mitten in der Natur. Mit 55 Jahren habe ich einen relativ sicheren Job aufgegeben um meine beiden Lieblingsstandbeine (beruflich) online zu vereinen. Das klappte so gut, dass ich 3 Jahre später meine Wohnung aufgeben und seitdem einen wohltuenden Minimalismus leben kann.

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