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Wie alles begann

Damaris
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Juli – November 2019

 

Wie alles begann

 

Wenn ich gefragt werde, ob ich schon länger damit liebäugle zu campen oder vanlifen, fange ich in meiner Kindheit an.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann wir den ersten Wohnwagen bekamen, aber gefühlt war ich damit schon immer unterwegs.

 

Unsere Familie besteht aus fünf Menschen und einem Hund:

Meine Eltern, meine Schwester, mein Bruder und ich. Später kam noch ein Dackel dazu. Wir fuhren in allen Ferien und anderen freien Zeiten los. Wahrscheinlich war es nicht ganz so oft, aber auch später habe ich immer behauptet, meine Eltern seien 2/3 des Jahres mit dem Camper unterwegs…und ich gehe da ganz nach Gefühl.

 

Vorrangig fuhren wir nach Skandinavien und Frankreich. Damals wurde ein Ausruf geprägt: „Schon wieder eine Kathedrale!“ Mein Vater suchte in Frankreich nach gefallenen Kameraden und im Zuge dessen sahen wir uns auch alle Kathedralen an. Heute kann ich sie kaum mehr zuordnen, nur manchmal habe ich eine Art Déjà-vu.

 

Als dann die ersten Männerbekanntschaften kamen, schlief das Campen ein wenig ein, da wurden andere Sachen wichtig und auch sehr interessant, wie z.B. Fernreisen und in anderen Ländern über längere Zeit leben, wie in Saudi-Arabien, wo ich 2,5 Jahre meines Lebens verbracht habe. Diese Zeiten möchte ich auf keinen Fall missen, aber irgendwie war ich eben viel im Ausland unterwegs.

 

Da fällt mir ein Satz meiner Eltern ein, die immer wieder irgendwo im Ausland landeten: „Jetzt im Alter fahren wir nicht mehr so weit, wir wollen noch etwas von Deutschland sehen.“ Und wenn sie dann anriefen und ich nachfragte, wo sie seien…waren sie oft doch wieder über Grenzen gefahren 😀

 

Erst mit dem Vater meiner Kinder ließ ich das Campen wieder aufleben. Zweimal noch fuhren wir gemeinsam, danach ich dann alleine mit den Kids und als der Wohnwagen mit meinen Eltern wegzog, kaufte ich uns ein 8-Mann-Zelt.

 

Mein ganzer Stolz war damals ein Toyota, der sicher schon 20 Jahre auf dem Buckel hatte. Stufenheck, zu dritt, vollgepackt bis unters Dach fuhren wir los – und es war sososo toll. Auch wenn das Aufstellen für mich mit zwei relativ kleinen Kids nicht ohne war, waren das enorm wertvolle Zeiten.

Heute nutzt mein Sohn das große Zelt sehr gerne.

 

Als die beiden dann ihre eigenen Freundschaften, auch im Urlaub, anfingen zu pflegen, war unser letzter gemeinsamer Urlaub zu dritt 2013 in Irland. Dort buchten wir allerdings Cottages und ein Auto.

Danach fuhr ich noch ganz viel mit meiner Tochter in irgendwelche Städte in AirBnb`s, was eine echte Alternative ist.

 

Kurz eingeschoben:

Als meine Tochter ein Auslandssemester in Bern machte, besuchte ich sie eine Woche und suchte mir ein AirBnb. Eine Studentin, die mit zwei anderen in einer WG lebte, vermietete ihr Zimmer. Anfragen kannst du ja, sagte ich mir…und siehe da, ich bekam eine Zusage. Das war eine unterhaltsame Woche, sehr nette Studenten, die sich in keinster Weise daran störten, dass da jetzt eine „ältere Dame“ wohnt.

 

Aber zurück zu dem, wie alles begann.

Als meine Tochter ihr Abi gemacht hatte (ich arbeitete in der gleichen Schule), dachte ich: Ich mach jetzt noch ein bisschen und dann arbeite ich nur noch das, was mir wirklich Spaß macht. In der Schule wurde meine Arbeit schon immer sehr unter einem Deckmäntelchen gehalten und das, was ich wirklich machen wollte auf Grund meiner Erfahrungen und Ausbildungen, konnte oder durfte ich dort nicht umsetzen. Die Kids vermisse ich allerdings immer mal wieder.

 

Ich ließ mich also kündigen und machte mich selbstständig oder besser gesagt ich begann meine, bis dahin offline nebenberufliche Selbstständigkeit auszuweiten und nach online zu verlagern.

Für mich gab es mehrere Möglichkeiten:

  • ich behalte die Wohnung, hole mir 1-2 Menchen dazu und fahre immer mal wieder mit dem Van los.
  • ich kündige die Wohnung und suche mir eine kleinere, fahre dann immer mal wieder los.
  • ich kündige die Wohnung und ziehe sofort in meinen Van.

 

Nur mal so, bis dahin wusste ich weder welcher es sein soll, noch wie ich das umsetzen könnte.

Ich sah mir Berichte bei YouTube an, las Unmengen Blogs und Bücher und ließ wirken.

Klar war nur, dass es ein Van sein muss in dem ich stehen kann, der aber so klein und wendig ist, dass ich mich wohlfühlen kann.

Da fiel mir ein Bekannter ein, der schon selbst einige Ausbauten gemacht hatte. Ein fettes DANKE an dieser Stelle an Thomas! Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich ihn nicht real, aber das sollte sich schnell ändern. Ich fragte ob er Lust habe mich zu unterstützen bei der Suche und beim Ausbau und er sagte „Ja“. Ich bombardierte ihn mit Links zu verschiedenen Kastenwägen etc. und er mich. Da er ein Mann der Tat ist, wurde er schnell fündig und fuhr ihn sich anschauen. Kurz darauf reiste ich an – an diesem Tag wurde ich stolze Besitzerin eines Krankentransportwagens.

Die anschließende Odyssee beschreibe ich sicher in einem anderen Artikel.

 

Mein Sohn hat schon eine ganze Weile eher locker nach einer Wohnung gesucht, aber im November ging alles irgendwie rasend schnell.

 

Weiterlesen kannst du das im Artikel „Wenn Eines ins Andere greift“.

 

So kam ich zu einem Van mit dem ich seit März nun dauerhaft ohne feste Wohnung unterwegs bin.

 

 

 

Seit 2020 lebe, reise und arbeite ich mit meiner Hündin in einem umgebauten Rettungswagen. Manchmal ist es eine echte Herausforderung, oft sehr kuschelig und abwechselnd und immer mitten in der Natur. Mit 55 Jahren habe ich einen relativ sicheren Job aufgegeben um meine beiden Lieblingsstandbeine (beruflich) online zu vereinen. Das klappte so gut, dass ich 3 Jahre später meine Wohnung aufgeben und seitdem einen wohltuenden Minimalismus leben kann.

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